„Majestäten, Königskinder, Verfassungsväter“

Dies ist der Kurztitel der Sonderausstellung der Bayerischen Schlösserverwaltung in der Neuen Residenz Bamberg, die vom 28 Juni bis 22. September 2019 zu sehen ist.

Blick vom Bamberger Dom zur Neuen Residenz

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Der ergänzende Zusatz des Ausstellungstitels „ … Die Neue Residenz im langen 19. Jahrhundert" konkretisiert, dass der Fokus dieser Schau auf der Nutzung dieses imposanten Gebäudekomplexes in nachfürstbischöflicher Zeit liegt. Und damit ein Stück bayerischer Geschichte sozusagen aus Bamberger Perspektive erzählt!

Nach der Abdankung des letzten Fürstbischofs Christoph Franz von Buseck 1802 suchten die Wittelsbacher nach neuen Nutzungsmöglichkeiten des gewaltigen Residenz-Komplexes. Unter anderem bewohnten Kronprinz Maximilian, der spätere König Maximilian II., und König Otto von Griechenland nach seiner erzwungenen Rückkehr 1862 die ehemals fürstbischöfliche Residenz.
Zum Schauplatz bayerischer Verfassungsgeschichte wurde die Residenz 1919, als die gewählte Regierung unter Ministerpräsident Johannes Hoffmann und der Landtag in Bamberg – nicht im revolutionsschwangeren München – tagten. Die Schau wird gleichsam der gebauten Biografie der Neuen Residenz als Erinnerungsort nachspüren und dabei überraschende Schlaglichter auf die Geschichte des Hauses im Speziellen und Bayerns im Allgemeinen werfen. Die Sonderausstellung zeigt circa 100 Objekte von der fürstbischöflichen Zeit bis in das frühe 20. Jahrhundert. Die reichen Bestände der Bayerischen Schlösserverwaltung werden ergänzt durch Leihgaben des Wittelsbacher Ausgleichsfonds, des Bayerischen Nationalmuseums, des Stadtmuseums München, der sporthistorischen Sammlung des Leipziger Stadtmuseums und aus den Bamberger Sammlungen des Historischen Museums, des Diözesanmuseums, des Historischen Vereins, des Stadtarchivs und der Staatsbibliothek.
Die Ausstellung wird begleitet von einer Vortragsreihe in Kooperation mit dem Stadtarchiv Bamberg, dem Historischen Verein Bamberg und der VHS Bamberg-Stadt. Näheres zum Vortragsprogramm findet man online unter www.residenz-bamberg.de

Die Neue Residenz in Bamberg
Die Neue Residenz ist das weithin sichtbare Zeichen der fürstbischöflichen Herrschaft auf dem Bamberger Domberg. Sie entstand über einen Zeitraum von gut 100 Jahren in zwei Bauphasen. Unter Fürstbischof Johann Philipp von Gebsattel und seinem Nachfolger Johann Gottfried von Aschhausen wurden ab 1603 mehrere benachbarte Domherrenhöfe durch einen Neubau in der Formensprache der Renaissance ersetzt. Der Neubau knüpfte an entscheidender Stelle, direkt gegenüber dem Bamberger Dom und der Alten Hofhaltung, an die mittelalterliche Gründungstradition des Bistums an. Von 1695 bis 1703 plante und baute Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn, der zugleich Kurfürst und Erzbischof von Mainz war, mit seinem Hofarchitekten Leonhard Dientzenhofer eine Erweiterung der Residenz. Die beiden barocken Flügel prägen das Bild der Residenz auf dem Domberg. Drei voll ausgestattete Appartements mit prachtvollen Möbeln und zahlreichen Kunstwerken verdeutlichen bis heute den herausragenden Stellenwert der Bamberger Residenz für den barocken Schlossbau in Franken. Das Appartement des Fürstbischofs wird 2020 nach einer grundlegenden Restaurierung wiedereröffnet werden.

Die Wittelsbacher in Bamberg
Durch die Säkularisierung war der große Komplex der fürstbischöflich-bambergischen Residenz bereits 1802 unter die Herrschaft der bayerischen Wittelsbacher gefallen. Nach Herzog Wilhelm in Bayern sollten hier in der Folge die Kronprinzen Maximilian, der spätere König Maximilian II., und Rupprecht residieren. Der vielleicht außergewöhnlichste Bewohner Bambergs im 19. Jahrhundert dürfte König Otto von Griechenland gewesen sein, der mit seiner Gemahlin und seinem Hofstaat die Neue Residenz und die Alte Hofhaltung bewohnte. Er war von der griechischen Bevölkerung ins Exil gezwungen worden. Ottos Königtum ist nicht zuletzt ein Zeichen für die enorm weit gespannten Adelsnetzwerke des 19. Jahrhunderts – und zudem ein erster Hinweis auf das sich anbahnende neue Selbstverständnis der Bürger, die Ottos Thron im Befreiungskampf gegen die Türken zuerst ermöglicht hatten und ihn dann stürzten.

Die BAMBERGER VERFASSUNG
Mit der Revolution von 1918 endete die konstitutionelle Monarchie. München erlebte daraufhin erste freie, geheime und gleiche Wahlen, aber auch verschiedene Regierungen sowie einflussreiche Arbeiter- und Soldatenräte. In Bamberg waren die Folgen der Revolution weit weniger stark sichtbar – was die Stadt auch zu einem sicheren Hafen für die angesichts der bedrohlichen Lage aus München geflohene Regierung machte. Der exilierte Landtag und die gewählte bayerische Regierung unter Ministerpräsident Johannes Hoffmann tagten und wohnten in Bamberg in jenem Gebäude, das auch symbolisch die Rechtmäßigkeit der Herrschaft unterstrich – in der Neuen Residenz. Die 1919 beschlossene und während der gesamten Weimarer Republik gültige Bamberger Verfassung war einer der ersten Meilensteine auf dem Weg Bayerns zur Demokratie.

Besuch der Ausstellung
Neue Residenz Bamberg, Domplatz 8, 96049 Bamberg, Tel. 0951 51939-0 und -114, Fax 0951 51939-129, www.schloesser.bayern.de
sgvbamberg@bsv.bayern.de 
Öffnungszeiten: 9.00 – 18.00 Uhr, Führungen durch die Sonderausstellung: jeweils Sonntag 14 Uhr (Kosten: 1 Euro zzgl. Eintritt) Die Ausstellung wird begleitet von einer Vortragsreihe in Kooperation mit dem Stadtarchiv Bamberg, dem Historischen Verein Bamberg und der VHS Bamberg-Stadt. Näheres zum Vortragsprogramm unter www.residenz-bamberg.de

Datum - Zeichen

06. Juni 2019 - 5.756

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